Klettersteig Ürziger Lay/Erdener Treppchen


Klettersteigkarte zum Ausdrucken (PDF, ©ASIT-consulting)

Ein lohnendes Ausflugszeil im Moseltal

In den letzten Jahren hat der Klettersteig am Calmont in der Nähe von Cochem, der „steilste Weinberg an der Mosel“, viel von sich reden gemacht. Inzwischen sind aber näher zu Trier zwei weitere Felsen-Wanderpfade im Bereich von Steillagen-Weinbergen entstanden: einer in der Thörnicher Ritsch und einer im Bereich des großen Felshanges, der teils auf Ürziger und teils auf Erdener Gemarkung liegt. Der letztgenannte kann es durchaus mit dem Calmont-Klettersteig aufnehmen. Er ist zwar bei weitem nicht so lang, dafür jedoch mehrfach verzweigt und auf jeden Fall landschaftlich, botanisch und kulturgeschichtlich genau so abwechslungsreich und spektakulär.
Der Felshang stimmt mit dem Calmont darin überein, dass er genau nach Süden gerichtet ist. Andere große Felshänge zwischen Trier und Bernkastel-Kues wie z. B. die Mosel-Loreley bei Piesport und der Blasberg bei Trittenheim zeigen dagegen nach Westen und sind deshalb nicht ganz so stark der Sonneneinstrahlung ausgesetzt.



Ausgangspunkt: Römische Kelter, mit linkem Mausklick vergrößern
Abbildung 1


Ausgangspunkte für den Klettersteig sind wahlweise das Winzerdorf Ürzig oder die 1,7 km weiter östlich an der B 53 gelegene, vor wenigen Jahren ausgegrabene und restaurierte römische Kelteranlage beim Erdener Treppchen (Abb. 1). Damit ist schon eine der historischen Sehenswürdigkeiten genannt. Leider ist die Anlage Anfang April, wenn der Klettersteig botanisch am interessantesten ist, noch nicht geöffnet. Man sieht jedoch fast alles auch von außen; sehr gut z. B. die große, nachgebaute Kelter.



Von der Kelteranlage geht es, teils über stabil gebaute Stahl-Leitern und teils über Treppchen, die der Weinlage ihren Namen gegeben haben, steil aufwärts dem Felshang entgegen (Abb.2). Man quert mehrmals die unter dem Namen „Monorack-Bahnen“ bekannten Ein-Schienen-Bahnen, die den Steillagen-Winzern die Arbeit sehr erleichtern. Der Name leitet sich vom englischen Wort rack ab, das „Zahnrad“ bedeutet. Dass der Klettersteig gut betreut wird, sieht man daran, dass überall an den Querungen der Monorack-Bahnen Schilder aufgehängt sind, die darauf hinweisen, dass die Zahnrad-Schienen geölt sind und man aufpassen muss, dass man sich nicht die Kleidung beschmiert. Ob es möglich wäre, durch den Bau geeigneter Wagen diese Bahnen auch touristisch nutzbar zu machen? Für den Transport von Weinbergsarbeitern sind sie nämlich zugelassen.

Schiene der Monorack-Bahn, mit linkem Mausklick vergrößern
Abbildung 2


Die größte botanische Attraktion des Felshanges ist das Berg-Steinkraut (Alyssum montanum subsp. montanum), das bei mildem Frühlingswetter schon im März aufblüht, in einem kühlen Frühjahr wie 2009 erst Anfang April (Abb. 3). Es kommt im gesamten Moseltal nur an dieser einzigen Stelle vor, was insofern etwas rätselhaft ist, als es von Cochem abwärts jede Menge solch warmer Felshänge gibt. Die Pflanze ist in Südeuropa zu Hause und bringt insofern mediterranen Flair in unsere Landschaft. Sie wurzelt tief in Spalten der Felswände und schmückt diese mit zahlreichen gelben Farbtupfen.
Die Pflanze verdient strengen Schutz. Sie abzupflücken oder gar auszugraben wäre sinnlos, da sie schnell verwelkt und losgelöst von ihrem weit reichenden Wurzelsystems nicht mehr anwächst.

Berg-Steinkraut, mit linkem Mausklick vergrößern
Abbildung 3


Etwas später ist der nachweislich vom Menschen eingeschleppte Goldlack eine Zierde des Felshanges. Wir sehen ihn auf Abb. 4 im Umkreis der Ürziger Sonnenuhr am Fuß des Felshanges.
Weiter oben führt der Pfad in lockeres Gebüsch hinein und gabelt sich, so dass man den Felshang auf zwei Höhenniveaus queren kann. Wegen einer Uhu-Brut ist allerdings einer der Pfade bis Juni gesperrt.

Goldlack, mit linkem Mausklick vergrößern
Abbildung 4


Sitzbänke laden an verschiedenen Stellen zur Rast ein. Nach Queren des Steilhanges kann man entweder langsam bergab Richtung Ürzig wandern oder ganz nach oben steigen, wo auf dem Gipfel des Berges die keltische Wallanlage des „Ürziger Burgbergs“ zu besichtigen ist. Auch von dort führt ein Weg nach Ürzig zurück. Von der dortigen Schutzhütte hat man einen großartigen Blick ins Moseltal, dessen Windung bei Ürzig ganz nahe an die Wittlicher Senke heranreicht, durch welche die Bahnlinie Trier-Koblenz verläuft (Abb. 5).

Blick ins Moseltal und Wittlicher Senke, mit linkem Mausklick vergrößern
Abbildung 5



Die Bahnstation Ürzig liegt knapp 3 km entfernt, so dass trainierte Wanderer das Exkursionsziel auch per Bahn erreichen können. Sie sollten schon am Ausgangsbahnhof eine Rückfahrtkarte lösen, denn die Bahnstation Ürzig ist so unbedeutend, dass sie nicht einmal einen Fahrkartenautomat hat.
Der Bahnreisende hat den Vorteil, dass er die Wanderung bedenkenlos mit einem Weinstuben-Besuch in Ürzig abschließen kann, wo es mit Sicherheit einen guten Tropfen „Ürziger Würzgarten“ oder „Erdener Treppchen“ zu kosten gibt.

Text und Fotos: Dr. Hans Reichert