Modepflanze Bärlauch


Obwohl der Bärlauch schon immer als Heil- und Gewürzpflanze bekannt war, gibt es zur Zeit geradezu eine Welle der Begeisterung für dieses einheimische Wildkraut. Immer wieder wird bei uns nachgefragt, wo man die Pflanze in der Region Trier fin-den kann. Wie man hört, ist auch bei Gourmet-Köchen der Bedarf groß. Einige sollen schon kräuterkundige Sammler beauftragt haben, Ihnen Bärlauch aus den Wäldern der Umgebung zu besorgen. Wenn dieser Trend anhält, wird es zu Naturschutzprob-lemen kommen, denn der Bärlauch ist im größten Teil der Region Trier selten, und es ist zu befürchten, dass starkes Sammeln zur Gefährdung der wenigen Vorkommen führt. Weiter unten werden wir deshalb Tips geben, wie man dies vermeiden kann. Zuvor soll aber der Bärlauch näher vorgestellt werden. Von allen anderen wildwachsenden Lauch-Arten (die übrigens alle essbar sind) un-terscheidet er sich dadurch, dass er keine schmalen, Schnittlauch- oder Porré-ähnlichen Blätter bildet, sondern flächige Blätter, die denen des Maiglöckchens ähn-lich sind (siehe Abbildung). Es gab deshalb schon Vergiftungsfälle, als Sammler die Blätter verwechselten. Das ist allerdings leicht zu vermeiden, wenn man auf den deutlichen, knoblauchartigen Geruch der Bärlauchblätter achtet. Er wird durch ein schwefelhaltiges ätherisches Öl (Knoblauchöl) verursacht, das nicht nur die hervor-ragenden Gewürz-Eigenschaften des Bärlauchs bedingt, sondern auch heilende Wir-kung hat. Als Naturheilmittel werden Blätter und Zwiebeln bei chronischen Hautaus-schlägen, Bronchial- und Darmkatarrh, Darminfektionen, Eingeweidewürmern, Bluthochdruck und Arteriosklerose angewandt. Der Duft des Bärlauchs ist so stark, dass da, wo er in großer Zahl wächst, ganze Wälder im Frühjahr von einem feinen Lauch-geruch erfüllt sind. Lebensraum des Bärlauchs sind Laubwälder mit etwas feuchtem, humosem, tief-gründigem und meist etwas kalkhaltigem Boden. Über den devonischen Gesteinen der Eifel und des Hunsrücks sind ihm die Böden meist zu sauer und zu flachgründig. Aus Zwiebeln treiben im zeitigen Frühjahr zunächst die Blätter. Pro Zwiebel sind es zwei bis drei. Im Mai wächst dann ein Stängel empor, an dessen Ende sich eine fast kugelige Dolde von weißen, sternförmigen Blüten entfaltet (siehe Abbildung). Ge-sammelt werden die Bärlauchblätter vor der Blütezeit.

Wie kann man an Bärlauch kommen, ohne die wenigen Vorkommen in der Region Trier zu dezimieren?
  1. Wer einen Garten besitzt, sollte den Bärlauch in eine schattige bis halbschattige Ecke mit lockerem, mit Kompost versorgten Boden pflanzen. Um an Pflanzgut zu kommen, muss man keine Bärlauchpflanzen im Wald ausgraben. Der Gartenfach-handel stellt sich allmählich auf die Nachfrage ein und bietet Zwiebeln oder Setzlinge an. Im Internet findet man Anbieter, wenn man z. B. die Suchbegriffe "Bärlauch" und "Bezugsquellen" angibt. Wer Besitzer naturnaher Gärten kennt, wird vielleicht auch von dort etwas bekommen können. Denn der Bärlauch vermehrt sich an günstigen Standorten durch reiche Samenbildung und durch Brutzwiebeln ziemlich rasch, so dass manche Gartenbesitzer sogar froh sind wenn sie einen Teil des Bärlauchs wie-der los werden können.


  2. Da in Süddeutschland der Bärlauch in vielen Wäldern in enormen Massen vor-kommt (in der schwäbischen Alb verdrängt er, gefördert durch Nitrateintrag aus der Luft, sogar andere Pflanzenarten), gehört er nicht zu den nach der Bundesarten-schutzverordnung geschützten Pflanzen. An Stellen mit Tausenden von Exemplaren ist deshalb gegen das maßvolle Pflücken einer Handvoll Blätter nichts einzuwenden. In der Region Trier gilt dies aber nur für wenige Stellen in der Eifel. Man sollte dann aber von jedem Blattbüschel nur ein Blatt entnehmen. Damit hat die Pflanze immer noch die Möglichkeit, mit den verbliebenen Blättern die Nährstoffe zu bilden, die zum Aufbau einer Zwiebel für das nächste Jahr notwendig sind.


Zum Schluss noch ein Tip für eine ganz einfache Art, Bärlauchblätter zu genießen:
Blätter klein schneiden und auf Butterbrot streuen. Guten Appetit!

Text: Dr. Hans Reichert
Foto: Helmut Orth/Worms