Zugeschüttet und plattgemacht



Nicht in einem Öko-Verbandsblatt, sondern im Wirtschaftsteil der renommierten Wochenzeitung „Die Zeit“ erschien Anfang November unter dem provozierenden Titel „Ein Land aus Beton“ ein großer Artikel, in dem es um den erschreckenden Flächenverbrauch in Deutschland durch Baumaßnahmen geht. Hier einige Zahlen, die den Irrsinn belegen, der da im Gange ist:

·          In jeder Sekunde werden 15 Quadratmeter überbaut. Das macht an einem Tag ca.130 Hektar (=160 Fußballplätze) aus, in einem Jahr 47.000 Hektar, was beinahe der Fläche des Bodensees entspricht.

·          Zwischen 1970 und 2000 wuchs die Bevölkerung im Raum Stuttgart um 11 Prozent, die bebaute Fläche aber um 45 Prozent.

·          Von den Zentren der Städte breiteten sich Baugebiete ins Umland aus. Heute bauen die in den Städten Beschäftigten ihre Eigenheime schon bis 100 km weit entfernt, weil nur noch dort das Bauland erschwinglich ist. Von dort fahren sie als Pendler zu ihren Arbeitsplätzen, oft genug im Stau der Stoßzeiten steckenbleibend. Bei dieser Art von Siedlungspolitik nimmt der Individualverkehr enorm zu, mit allen damit verbundenen Umweltbelastungen.

·          Mehr als 12 Prozent Deutschlands sind schon keine freie Landschaft mehr. Zwar nicht total zubetoniert, aber doch in Siedlungsbereiche einbezogen.

·          Während man sonstige Umweltbelastungen wie die Luftverschmutzung allmählich in den Griff bekommt, geht der Flächenverbrauch ungehemmt weiter.

„Wie soll unser Land in zwei, drei Generationen aussehen?“ fragen renommierte Landschaftsplaner. Ganz Deutschland wie das Ruhrgebiet? Gar wie der Großraum Los Angeles? Oder wie Süd-England, wo kluge Politik eine parkähnliche Landschaft zustandegebracht hat? Durch konsequente Planung und bodenschonende Steuergesetze konnte die britische Regierung den Flächenverbrauch auf einen Wert begrenzen, den unsere Regierung erst für 2020 anpeilt.

Auch im Raum Trier werden trotz stagnierendem Bevölkerungswachstum Baugebiete ausgewiesen, als hätten wir Geburtenraten wie in Entwicklungsländern. Als vor Jahren ein Gemeinderat beschloss, mit der Ausweisung eines Baugebietes zu warten, da derzeit kein Bedarf sei, erntete er harte Kritik aus der Bevölkerung. Anscheinend hat man einen Horror davor, ein Dorf nicht wachsen zu sehen.

Jedes Dorf will auch sein Gewerbegebiet haben, um sich Einnahmen durch die Gewerbesteuer zu sichern. Auch das treibt die Zersiedelung der Landschaft enorm voran. Da man nicht die besten landwirtschaftlichen Nutzflächen opfern möchte, muss „Ödland“ herhalten. Unter diesen Begriff fielen öfters auch, wie die obigen Bildbeispiel aus Hermeskeil und Kenn zeigen, ökologisch wertvolle Feuchtgebiete.

 

Hans Reichert