Eine Uran-Anreicherungsanlage bei Reinsfeld


Abb.1: Heute an der B52 bei Reinsfeld Abb.2: Vor 30 Jahren - Heftige Diskussionen in der örtlichen Presse

Vor 30 Jahren:
Bei Reinsfeld sollte eine Uran-Anreicherungsanlage gebaut werden


Über Reinsfeld wird man für das 20. und 21. Jahrhundert eine der interessantesten Dorfchroniken der Region schreiben können. Dort vollzieht sich nämlich exemplarisch die Energiewende.
Es sei daran erinnert, dass sich auf dem Gelände zwischen der Bundesstraße 52 und der Autobahn ungefähr dort, wo sich heute Windräder drehen und die Biogasanlage arbeitet (Abb.1), vor 30 Jahren eine Uran-Anreicherungsanlage gebaut werden sollte. Als am 25. Oktober 1976 durch eine Pressemeldung bekannt wurde, dass eine solche Anlage „möglicherweise im Osburger Hochwald“ errichtet werden soll, führte dies zu heftigen Reaktionen bei den Kernenergie-Gegnern und zu großer Besorgnis in der Bevölkerung.
Befürworter - vorwiegend Vertreter der Energiewirtschaft und Kommunalpolitiker - konterten mit dem Vorwurf, die Kernenergiegegner verbreiteten Falschmeldungen und schürten unberechtigte Ängste. Tatsächlich hatte eine Bürgerinitiative wohl unbeabsichtigt die Begriffe „Anreicherungsanlage“ und „Wiederaufbereitungsanlage“ durcheinandergebracht. Die Wiederaufbereitung ist als gefahrenträchtige Station im Uran-Kreislauf bekannt.
Die Befürworter bemühten sich mit großem Eifer, die Urananreicherung demgegenüber als eine harmlose und saubere Technik darzustellen, die dem Hochwald viele Arbeitsplätze bringe. Es gab zahlreiche Informationsveranstaltungen von beiden Seiten. Auch politisch engagierte Professoren der jungen Trierer Universität mischten sich ein, unter anderem bei einer stark besuchten Informationsveranstaltung in Reinsfeld.
In der lokalen und regionalen Presse erschienen zahlreiche Berichte und Leserbriefe (Abb.2). Sie sind für das damalige Geschehen eine ebenso ergiebige Quelle wie einige Aufsätze im Jahrbuch des Kreises Trier-Saarburg, das damals geradezu ein Sprachrohr zugunsten der Atomenergie war.
In welchem Maße der Widerstand in der Bevölkerung dazu beitrug, dass der Investor schließlich den Hochwald-Standort aufgab und sich für Gronau in Westfalen entschied, ist schwer zu beurteilen. Die Anlage in Gronau ist bis heute umstritten, und im Hochwald kann man froh sein, dass hier die Entwicklung eine andere und - wie sich später wohl zeigen wird - zukunftsträchtigere Richtung genommen hat.

 

Fotos und Text: Dr. Hans Reichert