Unser Thema des Monats



Der Park von Schloss Monaise
...ein Kleinod, das unverändert bleiben sollte

Schlosspark Monaise
Tausende von Schneeglöckchen eröffnen die Blühsaison


Ein Park, keine Gartenanlage

Der Schlosspark von Monaise lässt das Herz eines ordentlichen Gärtners wohl nicht höher schlagen. Er hat zwar einen imponierenden Baumbestand mit alten Linden, doch der Rasen und die Wege scheinen schon lange sich selbst überlassen zu sein. Doch gerade dieser Hauch von Ungepflegtheit macht den Charme des Parks aus. Da der Boden schon lange unberührt geblieben ist, konnten Zwiebel- und Knollengewächse einwandern und sich vermehren. Im Frühling gibt es deshalb einen bunten Blütenteppich, wie er in keiner anderen Parkanlage Triers zu beobachten ist.

Die Blühsaison

Den Anfang macht das Schneeglöckchen, das in Deutschland ursprünglich nur im südlichen Teil vorkam, inzwischen aber bis zur Waterkant hin eingebürgert ist, im norddeutschen Tiefland sogar besonders häufig.
Einige Wochen später folgt der rotviolette Blütenflor des Finger-Lerchensporns (Corydalis solida).

Der Finger-Lerchensporn

Er besiedelte im Moseltal ursprünglich die Auenwälder außerhalb des Überschwemmungsbereichs, die sogenannten Hartholz-Auenwälder. Sie sind im Moseltal verschwunden, weil die hochwasserfreien Bereiche entweder bebaut oder landwirtschaftlich genutzt sind. Der Lerchensporn fand Zuflucht in Parkanlagen und auf Friedhöfen.

Die Lerchensporn-Blüten haben eine handschuh-fingerartige Ausstülpung nach hinten, den sogenannten Sporn. Ganz hinten in ihm befindet sich der Nektar, der von Insekten mit langem Rüssel wie z. B. Hummeln am besten erreicht werden kann. Schlaue Bienen beißen aber seitlich ein Loch hinein und kommen so an den süßen Saft.
Die Samen haben ölhaltige Anhängsel, auf die Ameisen sehr versessen sind. Sie verschleppen deshalb die Samen und tragen so zur Ausbreitung des Lerchensporns bei.


Die Balkan-Anemone

Etwa gleichzeitig blüht die Balkan-Anemone (Anemone blanda) auf. Sie ist in einem Gebiet heimisch, das vom Balkan bis zum Kaukasus reicht. Nach Mitteleuropa gelangte sie als Gartenpflanze.

Sie schafft es immer wieder, aus Gärten zu entweichen. Fast nie kann sie jedoch in der vom Menschen unbeeinflussten, naturnahen Vegetation Fuß fassen. Dort ist auf nährstoffreichen, humosen Böden, den die Anemone benötigt, der Bewuchs zu hoch und zu dicht für die kleine und etwas konkurrenzschwache Pflanze.
In Parkanlagen sorgen aber Faktoren wie Beschattung, gelegentliches Mähen oder das Betreten des Rasens dafür, dass trotz nährstoffreichen Bodens die Pflanzendecke niedrig bleibt und die Anemone von Gräsern und Kräutern wenig bedrängt wird. Das Bild zeigt deutlich, dass sich ihre Blätter und Blüten zumindest im Frühling frei entfalten können.

Pflanzen, die entweder aus der einheimischen Flora oder aus Gärten mit Vorliebe in Parkanlagen oder Friedhöfe einwandern, werden in der Florenkunde als Stinzen- oder Stinsenpflanzen (einem aus den Niederlanden stammenden Begriff) bezeichnet.

Der Park von Schloss Monaise ist nicht der einzige in der Region Trier, der eine schöne Flora von Stinzenpflanzen aufweist. Der Saint-Fargeau-Park in Hermeskeil und der Park an der Echternacher Straße in Bitburg sind weitere Beispiele dafür. Auffallend arm an solchen Pflanzen ist dagegen der Alleenring in Trier, und auch in Nells Park gibt es ziemlich wenig davon.
Deshalb muss dafür plädiert werden, den Rasen des Monaiser Schlossparks so zu lassen wie er ist. Angesichts der Finanzlage der Stadt kann man hoffen, dass niemand auf die Idee kommt, gärtnerisch in die Vegetation des Parks einzugreifen. Vor deutscher Gründlichkeit ist man aber niemals ganz sicher.



Wenn Sie etwas über den Umgang der Amerikaner mit Bäumen in ihren Privatgärten erfahren möchten, dann lesen Sie hier die Reise-Eindrücke von Hans Reichert.

© 2012, Dr. Hans Reichert